24 – erste Ausfahrt zur dritt, das war über

142 km / 8260 km

Wer hat dieses Wetter bestellt? Den ganzen Morgen war es am Regnen. Gestern waren die Prognose für unser Gebiet noch trocken und jetzt das. Wir wollten heute doch in die Tatra …. und da sahen die Vorhersagen noch viel schlimmer aus. Was sagt der Regenradar? Ein Stückchen mehr nach Westen und/oder Süden und es würde nicht mehr Regen. Schnell einen neuen Campingplatz ausgesucht und los gefahren. Die letzten Kilometer durch Polen, dann ein Stück durch die Tschechei und dann noch in die Slowakei eingefahren. Das reinste Länderhopping. Die Verkehrsituation hatte sich leider nicht geändert. Immer noch Kaff an Kaff, viel Verkehr und das im strömenden Regen. Dann kam noch so eine große Bundesstrasse mit unheimlich viel LKW-Verkehr. Zum Glück mussten wir der nur 2km folgen. Plötzlich ein Rums und im Spiegel sehe ich Rainer – an letzter Position folgend – auf dem Seitenstreifen liegend sich fortzubewegen. Häääää, wie hat er das denn hin gekriegt? Bremsen, Warnblinkleuchten an und rechts ran. Waaaas ist das? Plötzlich bäumt sich die Fahrbahn vor mir auf und ich komme total ins Schlingern. Durch den Schwerlastverkehr hat sich ein Fahrbahnwulst gebildet mit gut 15cm Höhe. Die hat Rainer umgehauen, als er mal eben auf dem Navi … Schnell zurückgelaufen, Rainer nix passiert, bisschen bedröppelt hat er reingeguckt. „Nicht schon wieder! Warum ich?“ waren seine Worte. Zu dritt haben wir sein Mopped wieder aufgerichtet und geguckt. Am Koffer die rechte, vordere Ecke aufgerissen, Gepäckträger nun auch auf der rechten Seite verbogen, rechter vorderer Blinker kaputt und die Regenhose hat ein Loch. Boah, muss das sein? Aber immerhin: dem Rainer nix passiert. Wieder aufgestiegen und weiter durch den Regen.
Der Campingplatz war 120km entfernt und erst auf den letzten Metern hat sich das Wetter gebessert. Schnell noch einkaufen und dann auf dem Platz alles herrichten. Den ganzen Nachmittag hat Rainer mit der Reparatur verbracht, aber er hat alles wieder hergerichtet. Ein Glück!

Hier noch das Stimmungsbild. Fisch gewaschen – der Helm – und Volker nach getaner Arbeit – lecker war es – zufrieden.

23 – Treffen mit Rainer

305 km / 8118 km

Die Nacht war schon um 5:30 zu Ende. Irgendwie konnten wir nicht mehr schlafen. Muss wohl die Aufregung gewesen sein, das wir uns heute mit Rainer treffen. 🙂

Gegen 8:30 waren wir auf der Straße. 280km haben wir bis zu unserem Treffpunkt am Campingplatz zu bewältigen. Das sollten wir schaffen, wir sind ja in Übung.
Aber der Weg durch Polen war heute ein Kampf. Von den 280km waren wir gefühlt 200km in Ortschaften unterwegs. Ein Kaff nach dem anderen. Polen ist total zersiedelt.  Das war total anstrengend, insbesondere weil wir  heute bis zu 30Grad hatten. Mittags haben wir Pause gemacht, Volker hat sich auf die Bank gelegt und …. ist eingeschlafen.

Gegen 15:00 sind wir dann auf den Campingplatz gefahren, schon von weiten hat Rainer gewunken. Ein herzliches Willkommen und Umarmen … Schön wieder zusammen sein. Schnell die Stühle aufgestellt und sich von dem Erlebten erzählt. Und dann fängt es doch glatt an zu Regnen. Das war so nicht bestellt. Wir haben versucht das Tarp aufzubauen. Ein Erstlingswerk, aber gemeinsam haben wir die Herausforderung angenommen und bewältigt. Läßt sich prima drunter sitzen im Regen.

So, reicht für heute. Noch ein paar Bilder:

Landschaft, Häuse und wunderschöne Zäune

Die Auto-Teilehändler kurz vor der Slowakischen Grenze sind uns aufgefallen. Auf 5km so an die 15 Händler mit dem identischen Angebot:

 

Und das Treffen der langhaarigen Europabummler:

22 – Polen im Rausch

588 km / 7.813 km

Wir wollten früh aufstehen, was wir auch geschafft haben. Auf der Straße waren wir trotzdem erst um 10Uhr. Das Wetter hatte heute von allem ein bißchen. Erst sonnig mit blauem Himmel und Temperaturen bis zu 30Grad. Dann auch wolkenverhangen mit ein wenig Regen und zum Schluß ein Gewitter, das wir geschickt – Volker sei dank – umfahren haben.

Die letzten Litauen-Bilder:

Heute morgen, bei der Polen-Einfahrt, hat sich in der Landschaft natürlich nicht viel geändert. Die Gebäude wurden größer und größer, es kamen wieder viel mehr Farben ins Spiel. Werbetafeln am Strassenrand, ich habe schon fast vergessen das es die gibt.
Wir hatten für den Polenbesuch POIs im Norden und im Südwesten gespeichert gehabt. Gefahren sind wir – auch weil wir Rainer zeitnah treffen wollen – durch den Osten. Von daher hatten wir keine Ziele, die wir unterwegs anfahren konnten. Aber wir wollten sowieso Strecke machen, damit das Treffen mit Rainer zeitlich passt.
Ich habe heute in Polen kaum Fotos gemacht. Es fiel mir echt schwer welche zu machen, die Polen beschreibt wie ich es gesehen habe. Ich bin mir gar nicht sicher woran das liegt … ? Die große Ähnlichkeit zu Deutschland, wenn man gerade aus Skandinavien bzw. den baltischen Staaten kommt? Ich weiss es nicht. Hier jedenfalls das, was ich festgehalten und zeigen kann:

Was ich darüber hinaus wahrgenommen habe, waren viele Kreuze, Kirchen und auch wieder Storchen. Auch tieffliegende, die Straße kreuzende haben wir  wieder erlebt – und es gab auch in Polen keine Warnschilder! Passt auf, wenn ihr in diese Gegend kommt! Jedenfalls ist Polen eindeutig, wie die baltischen Staaten, ein Storchenland!
Wie Rainer schon beschrieben hat, die Polen fahren wie die Wilden. Wir haben versucht uns anzupassen, es ist uns nicht – gänzlich – geglückt. Geschwindigkeitsbeschränkungen werden immer – deutlich – missachtet, ausser man wird vor der lauernden Polizei gewarnt. Aber hier wird echt Tempo gemacht. Geschwindigkeitsrausch!

Zum Ende des Tages gab es wieder vermehrt Kurven zu fahren. Ich weiss gar nicht mehr wie das geht! Ich hoffe, das wir die nächsten Tage in der Tatra Gelegenheit haben, ein Kurventraining durchzuführen.
Jedenfalls treffen wir uns morgen mit Rainer im 3-Ländereck PL-CZ-SK auf einem Campingplatz und werden wohl die nächsten Tage gemeinsam verbringen. Die Vorfreude ist schonmal groß!

Heute gibt es kein Stimmungsbild, aber ein Hydrant aus Polen hat auch was!

Die Kilometerinfos werde ich ab heute immer oben in der Trackabbildung als Beschriftung pflegen. Wir sind heute nochmal fast 600km gefahren. Das war dem geplanten Treffen mit Rainer geschuldet. Jetzt lassen wir es langsamer gehen.

21 – Litauen

Volkers Knie geht es den Umständen entsprechend gut, wir sind heute morgen wieder gestartet – wenn auch spät. Wenn man einen Tag Pause macht werden doch viel mehr Sachen ausgepackt, als wenn man nur abends ankommt, kocht und schlafen geht. Es hat jedenfalls gedauert und wir waren gegen 10 wieder auf der Straße. Auf den ersten 200km hatten wir gut 100km Anteil Schotterpassagen, die sich heute gut bewältigen ließen. Die Moppeds und Volker wurden ordentlich dreckig. Später sind wir versetzt und relativ nah beieinander gefahren. Da war es dann für Volker wie vorne fahren.

Lettland und Litauen sind die Staaten der Störche. Soviel Nester und Störche – auf einem Feld 10 Stück – habe ich noch nie gesehen. Uns sind drei Mal Störche von dem Motorrad aufgescheucht worden und sie kreuzten unsere Fahrbahn nur knapp vor uns. Keine Ahnung warum Warnschilder für Elche aufgestellt werden die nie zu sehen sind, aber keine vor tieffliegenden, kreuzenden Störche.

Wir sind heute viele kleine und kleinste Nebenstraßen gefahren. Die Dörfer waren entsprechend groß und wir haben viele heruntergekommene und verlassene Häuser gesehen. Jedenfalls glauben wir, das sie verlassen waren. Es gab nur sehr wenige prunkvolle Häuser, ganz anders als in Estland oder nördlich von Riga. Aber das kann jetzt auch Zufall sein, wegen unserer gewählten Route. Hier ein paar Bilder der Landschaft von unserer heutigen Tour.

Wir haben nicht viele interessante/bekannte Punkte auf unserem heutigen Weg durchfahren. Einen haben wir aber bewusst angefahren. Den Berg der Kreuze bei Šiauliai. Schon im Mittelalter bekannt, werden hier Kreuze von Pilgern aufgestellt verbunden mit einem Wunsch oder Dank. In den 70er wurde der Hügel mehrfach von den Kommunisten geräumt, die Aktion blieb aber erfolglos und der Hügel wurde Zeichen des nationalen Widerstandes. In den 90er haben Studenten bei einer Zählung der Kreuze bei 50.000 aufgegeben.
Interessant welche Werkstoffe so beim Kreuzbau verwendet worden.

So sind wir trotz späten Start heute doch noch 471 km gefahren. Wir kommen Rainer immer näher. Unser Ziel ist jetzt das Dreiländereck PL-CZ-SK. Rainer bummelt uns bereits entgegen. Ich denke noch 2-3 Tage …

Gesamtkilometerstand: 7198 km

Tag 20 – Riga

Ursprünglich wollten wir heute Riga anfahren. Mit Volkers Knie war da nicht zu dran denken und so musste ich für stellvertretend für uns beide Riga einen Besuch abstatten.

Nach 50km über eine Autobahnähnliche Schnellstraße – Nebenstraßen waren nur mit erheblichen Umwegen möglich –  habe ich Riga erreicht. Wobei bei der Schnellstraße muss man noch ein Wort verlieren. Diese war zweispurig, mit einem sehr großen Grünstreifen von der Gegenfahrbahn getrennt. Diese Schnellstraßen wurden nicht nur von Autos, LKWs und Motorrädern genutzt, auch Fahrradfahrer – 3 Stück nebeneinander fahrend – und Fußgänger nutzten die Fahrbahn. Stellenweise war es möglich die Richtung zu wechslen, über den den Grünstreifen eine 180° Kehre und zack war man wieder in Gegenrichtung unterwegs. Busse hatten ihre Haltestellen und selbstverständlich waren Ampelanlagen für die Fußgänger vorhanden. Wobei, die brauchten gar keine Ampel, die haben die Schnellstraße auch ohne dieser überquert. Krass aber funktioniert gut!

In Riga angekommen musste ich mich durch die Innnstadt quälen. Jede Ampel rot. Ich fühlte mich wie zuhause. An einer Straße das Mopped abgestellt und die Moppedklammoten in und am Mopped verstaut. Ich hatte mir aus der Wikipedia die TopTen in Osmand markiert und dann los. Nebenbei noch PokemonGo aktualisiert und ich war mit Fotos machen, Pokemons jagen, den Weg finden und mich über die tolle Stadt freuen ausreichend beschäftigt. Ich habe einen wunderschönen Nachmittag in Riga verbracht. Es sind unheimlich viele Straßencafes in Riga, es wird Musik gespielt, teils live aber immer angenehm laut. Eine total lebendige Stadt.

Volker hat den Nachmittag mit der Analyse seines streikenden ABS-Steuergerätes analysiert. Das blinkt seit dem Sturz ununterbrochen. Unter Zuhilfenahme von PowerBoxer.de und der BMW-Reparaturanleitung hat er das nervende Dauerblinken dadurch entfernen können, das er den Stecker vom Steuergerät getrennt hat, da isses dann tot. Wenn man dann noch das ABS Relais zieht leuchtet keine rote Lampe mehr und man schleppt nur noch den Ballast unter dem Tank mit :). Mal gucken ob wir dem Problem noch mal auf den Grund gehen. Ohne ABS kann man das Mopped jedenfalls auch problemlos bewegen/verzögern. Also erstmal keinen Kopf machen.

Ansonsten hat Volker Wäsche gewaschen, die Hängematte aufgebaut und es sich gut gehen lassen. Aktuell gehen wir davon aus, das es morgen weiter geht. Mal schauen wie es morgen ist. Hier ein Beispiel eines TOP Zewa-Joghurt-Wickels, am Kniewinkel muss er noch arbeiten:

Auf besonderen Wunsch … werden wir ab heute die zurückgelegten gemeinsamen Gesamtkilometer von meinem Motorrad angeben. Aktuell stehen wir bei 6727km in 20 Tagen macht ca. 340km/Tag. Da können wir uns noch ein paar Pausetage gönnen. Wir sind einmal von 250km/Tag ausgegangen, die wir für eine Europa-Umrundung benötigen. Wir kommen soweit, wie wir kommen. Ist nur Statistik.

Tag 19 – Schon in Lettland

Der Tag fing gut an. Wir haben bis halb neun geschlafen, das Zelt stand noch und es hat nicht geregnet. Gemütlich gefrühstückt und dann zusammengepackt. Gegen 10 Uhr sind wir los und haben versucht einen schönen Weg entlang der Ostsee aus dem Naturschutzgebiet herauszufinden. Das war gar nicht so einfach. Es gab so viele Waldwege, das man nicht immer sofort den richtigen Weg gefunden hat. Die Waldwege waren gut zu fahren bis auf eine Stelle. Da war weicher, tiefer Sandboden den Volkers Mopped gestoppt hat. Die 180° Kehre auf 1,5m breitem Weg war bemerkenswert, leider hat Volker sich dabei das Knie ordentlich verdreht und das Mopped geschmissen. Nach dem ersten Lagecheck hat das Knie nichts abbekommen, sondern wahrscheinlich nur die Bänder überdehnt. Und es schmerzt! Mist. Erstmal das Mopped wieder aufheben. Gepäck runter und mit vereinten Kräfen – ich natürlich nur 15kg und die andern 235kg (ein Koffer war noch dran) Volker – das Ding wieder senkrecht gestellt. Alles wieder aufrödeln und dann langsam gucken was Volker noch kann. Wir sind problemlos – mit Schmerzen – aus dem Naturschutzgebiet raus und haben den Rest des Tages aufwendige Wendemanöver vermieden. Ging soweit. Jetzt haben wir einen Campingplatz angefahren und gucken was morgen noch möglich ist. Wenn es erforderlich ist, bleiben wir hier ein paar Tage. Den Campingplatz hatten wir vorab schon so ausgesucht und wie es scheint, werden wir uns hier wohlfühlen.

Mittags waren wir einkaufen. Wir waren total abgebrannt, nur noch eine halbe Packung Nudeln, eine Banane und Butter. In Pärnu haben wir einen großen Supermarkt gefunden mit einem kompletten Sortiment von Kleidung über Töpfe und Autoartikel und natürlich Lebensmittel. Ich finde das immer sehr spannend, was man so in fremden Ländern einkaufen kann. In Estland hat mich am meisten die Tortentheke fasziniert. Ich habe leider versäumt ein Foto von den Torten zu machen, aber diese Theke hatte nichts anderes zu präsentieren außer: Torten.

Nix als Torten! Von links bis dahin wo der Mann steht. Und sie sahen echt lecker aus!

Was mir an Estland auffällt sind die Ansammlung von Mehrfamilienhäusen auf einer kleinen Fläche mitten auf dem Land. Vieleicht 10 Häuser je 6-8 Wohnungen. Ansonsten nichts anders. Teilweise wird die Geschwindigkeit in diesem Bereich 2x täglich für eine Stunde auf 50km/h reduziert. Wer will hier wohnen? Auch Kirchen sind mitten auf dem Land. Ein paar Bauernhöfe im Umkreis, aber sonst … nichts. ???

Am späten Mittag haben wir dann Pause gemacht. Ausgiebig gegessen und den Plan mit dem Campingplatz reifen lassen. Wie sich nachher heraus stellte, waren wir direkt an der Lettländischen Grenze. Nach der Überfahrt der Grenze war der Unterschied zu Estland kaum spürbar. Es wird langsam hügeliger. Viele Störche gesehen, die Jungen werden bald flügge. Auf einer langen bewaldeten Gerade haben wir einen größeren Raubvogel aufgescheucht. Der ist vor uns weggeflogen ist aber nicht über die Baumgrenze gegangen und so ist er vor uns her geflogen und geflogen und geflogen. Und wir konnten ihn direkt vor uns sehen. Tolles Ereignis! Insgesamt, der ganze Tag war wunderschön. Tolles Wetter, super schöne Landschaft, wenn auch wenig fürs Motorradfahren herausvordernd. Wir sind heute 330km gefahren und davon bestimmt ein drittel Schotter. Das gleicht die fehlenden Kurven ein wenig aus.

Tag 18 – Estland

7:00, kühl und bedeckt begrüßt uns der Morgen. Egal, wir verlassen heute Finnland. Um 11:30 wollen wir die Fähre erreichen, für 9:30 ist unsere Abfahrt vom Campingplatz geplant. Wir sind schon um 9:00 fertig, cruisen durch Helsinki. Schöne Innenstadt, das sieht zwingend nach einem Besuch ohne Motorrad aus (Doro!). Um kurz vor 10:00 erreichen wir die Fähre und können fast durchfahren. Wir haben die Fähre eine Stunde früher erreicht, auch nicht schlecht. Ein Riesenpott mit 8 Spuren nebeneinander. Die Motorräder werden gar nicht festgeschnallt, so stabil ist die Fähre trotz bewegter See. Die Fährausfahrt aus Helsinki ist sehr schön mit kleinen Inseln bestückt. Beim nächste Besuch in Helsinki also ggf. mit auf die Liste schreiben! Ich glaube ich habe Finnland ein wenig im falschen Licht gesehen.

Unser Fähre ist eigentlich gar keine. Es ist eher ein Kreuzfahrtschiff. Mit 11 Decks wird einem alles (?) geboten. Das hatte ich bisher noch nicht auf der Liste der Dinge die ich einmal im Leben gemacht haben wollte. Aber nun kann ich auch für die Kreuzfahrt einen Haken machen.

In Tallin angekommen begrüßt uns sonniges und windiges Wetter mit Schönwetterwolken. So ist’s recht! Den Weg aus Tallin herauszufinden war gar nicht so einfach. Wir haben uns mehrfach verfahren, weil wir die Anzahl und Größe der Kreuzungsbereiche verschätzt haben. Viel Polizei präsent, es wird viel gebaut und es sind viele große Fahrzeuge unterwegs. Letzten Endes haben wir den Weg herausgefunden. Die Landschaft ist flach und abwechslungsreich. Die Straßen führen meist geradeaus. Vor Kurven wird gewarnt! Wobei wir uns immer fragen, wo sie gewesen sind. Unterwegs fallen uns viele neue große wertige Häuse auf, die teils neben verfallen Häusern stehen. Sehr unterschiedlich. Die Bushaltestellen sind drei Wände im Winkel von 120° angeordnet, man findet immer ein windgeschützte Stelle. Besonders aufgefallen sind mir die Friedhöfe. Die sind total schön gestaltet inmitten eines lichtdurchfluteten Waldes. Meine Fotoversuche von heute sind alle gescheitert, ich versuche morgen etwas festzuhalten.

Unsere Straße hat Volker heute entlang der Ostsee geplant. Wir sind an Klippen entlanggefahren die fast 40m hoch sind. Und dann sind wir an einem Naturschutzgebiet hineingefahren, das das Zelten und Feuermachen direkt im Dünenbereich der Ostsee erlaubt. Da konnten wir nicht weiterfahren und haben unser Zelt aufgeschlagen. War nicht ganz einfach, weil echt viel Wind war. Aber wir haben alle Leinen und alle (fast) Heringe in den Boden geschlagen und hoffen jetzt, das es hält. Im nächsten Dorf noch Fleisch, Kartoffeln und Holz beschafft und jetzt geht es uns so richtig gut. Urlaub!

Volkers Grill: zusammengeschraubt hat er die Größe des hinteren Rohres.

Tag 17 – Reparaturtag

Hups, da waren wir heute aber spät dran. Gegen halb neun sind wir aufgestanden und erst um 10 waren wir unterwegs.
Heute soll es nach Helsinki gehen. Langziel ist die Fähre nach Tallin mit den Zwischenstops BMW-Händler um ein paar Gabeldichtringe zu erleichtern und in einem Outdoorladen Karabiner zu erwerben.

Eine Veränderung gibt es seit gestern, die Nächte sind seit gestern wieder vorhanden, nichts mehr mit den ganzen Tag hell. Nachts muss man wieder eine Taschenlampe zur Hand haben. Hat so seine Vorteile und Nachteile.

Wir sind über kleine Straßen bis zur Ostsee gefahren und dann an der See entlang in Richtung Helsinki. Leider sieht man nur selten die Ostsee und richtig dran gekommen sind wir auch nicht. Wir waren viel alleine auf den Straßen. Die hatten wir bewußt möglichst klein gewählt und wurden mit viel Schotterstraßen belohnt. Hier im Süden ist Finnland echt schön. Und auch das Viehzeug ist nicht so penetrant überall anzutreffen.

Was mir im Nachhinein bewusst wird, das der Norden Finnlands auch Schönes hat. Die Wildheit/Eihnsamkeit ist mir haften geblieben. Kilometerweit nichts und ab und wann mal ein Dorf. Wobei die Dörfer nur aus 10 Häusern bestehen, die auf 2 Kilometer Länge an der Straße verstreut liegen. Ziemlich einsam.

Auf der Fahrt auf der Autobahn haben wir heute einen besonderen Lärmschutzwall gesehen. Die Wand ist leicht schräg zur Fahrbahn angeordnet und alle 25m kommt ein Fenster das senkrecht zur Lärmschutzwand angebracht ist. Da kann man richtig raus gucken und im vorbeifahren bewegt sich die Landschaft noch ein wenig. Sieht aus wie ein Foto, ist aber keins. Pfiffige Idee!

Am späten Nachmittag waren wir dann in Helsinki, die letzten Meter über die Autobahn. Beim ersten BMW-Händler bekamen wir unsere Teile, Glück gehabt. Leider habe ich meinen Zündschlüssel verbaselt. Alle Taschen abgesucht und nichts gefunden. Den Laden nochmal durchkämmt … nichts. Die Koffer und Taschen durchsucht – ich hatte zwischendurch meine Sonnenbrille und Volkers iPhone geholt. Nichts! Ich weis, ich hatte mir beim wegpacken des Schlüssels noch gedacht, da gehörst du nicht hin. Aber ich war durch irgendetwas abgelenkt. Also Zweitschlüssel rausholen. Den hatte ich meinem Ersatzteillager unter dem Tank deponiert. Wo ich jetzt so darüber nachdenke … keine gute Idee. War ziemlich mühsam die Sitzbank herunterzubekommen ohne Zündschlüssel. Und das ganze Gepäck musste auch runter. Aber der Zündschlüssel kam zu Tage und wir konnten nach dem Verstauen und Verzurren des Gepäcks die Fahrt wieder aufnehmen. Nächstes Ziel: Zeltplatz um den Wellendichtring einzubauen.

Am Zeltplatz angekommen hat Volker sich um das Motorrad gekümmert und ich um das Lager. Also Zelt aufbauen, Isomatten aufblasen, Schlafsäcke aus den Kompressionssäcken befreien und einen Tee kochen. Und da kam schon das nächste Übel. Mein Benzinkocher wollte nicht mehr mit der Pumpe Druck aufbauen. Das hatte er die Tage schon einmal probiert. Da konnte ich ihn noch eines besseren Belehren. Aber heute wollte er nicht. Aber wir führen ja ein größeres Lager mit uns. Unter anderem von meinem alten, baugleichen Kocher alle Einzelteile, unter anderem die Pumpe. Jetzt geht er wieder und der Tee schmeckte natürlich köstlich.

Heute hatten wir mal wieder Sonne bei um die 23°Grad. Ein schöner Tag in einem doch schönen Land. Obwohl wir es heute haben langsam gehen lassen, kamen doch 380km zusammen. Und den Zündschlüssel habe ich dann tatsächlich da gefunden, wo er gar nicht hingehörte. Meine Motorradjacke hat eine aufgesetzte Tasche, in die man von der Seite eingreifen kann. Taugt wunderbar für die kalte Hände wärmer zu machen, aber ein Schlüssel kann da jederzeit rausfallen. Aber da lag er noch. Nun hat der Reserveschlüssel einen neuen Platz im Tankrucksack.

Morgen ist wieder Fähre fahren dran … wie ist morgen der Wind?

Tag 16 – Schon wieder Regen

Die Mücken waren heute morgen immer noch da … schnell alles zusammen geräumt und ohne Frühstück los. 7:30 war es, Fernziel Ostsee mit hoffentlich nicht so viel Mücken. Nach 150km Suche nach einem mückenfreien Pausenplatz haben wir einen mit Dach gewählt der uns gegen den Regen geschützt hat. Leider nicht gegen die Mücken. Das Antibrumm hilft aber ganz gut, auf den Stellen die wir aufgetragen haben, haben sich keine Mücken niedergelassen. Wenn das Viehzeug aber die ganze Zeit um einen herum schwirrt, macht einen das trotzdem nervös.

Der Tag führte uns auf der Via Karelia entlang der russischen Grenze. Teils Schotter, teils kleine geteerte Straßen. Deutlich netter als die großen Schnellstraßen entlang zu fahren. Schade war, das es heute immer wieder geregnet hat. Gut ist, unsere Ausrüstung ist für dieses Wetter gut geeignet. Wir haben bisher noch keinen Wassereinbruch festgestellt. Ich finde das hätte man gut in einem Tag feststellen können und nicht 2 Wochen lang immer wieder probieren müssen.

Auch heute haben uns wieder zahlreiche Rentiere den Tag versüßt. Immer wieder nett, wenn man soviel Zeit hat wie wir.
Was wir aber wirklich vermissen, sind diese Tiere vor denen hier in Skandinavien immer wieder gewarnt wird. Wir vermuten hier eine gewisse Ähnlichkeit wie zu dieser Stadt die in Ostwestfalen existieren soll.

 

 

Der Tag endet gegen 19:30 in der Nähe von Imatra nach 640km. Rainer, wir geben alles dich einzuholen.