Da Sitz er, der Chef Blogger, und bloggd:
Während ich mit Isomatte und Schlafsack in der Hängematte liege, dabei behandel ich mein Knie mit Joghurt Wickeln. Funktioniert anscheinend, es fühlt ich besser an.
son freier Tag hat auch was 🙂
Volker’s Knie ist unverändert, wir werten das positiv und machen heute Pause.
Der Tag fing gut an. Wir haben bis halb neun geschlafen, das Zelt stand noch und es hat nicht geregnet. Gemütlich gefrühstückt und dann zusammengepackt. Gegen 10 Uhr sind wir los und haben versucht einen schönen Weg entlang der Ostsee aus dem Naturschutzgebiet herauszufinden. Das war gar nicht so einfach. Es gab so viele Waldwege, das man nicht immer sofort den richtigen Weg gefunden hat. Die Waldwege waren gut zu fahren bis auf eine Stelle. Da war weicher, tiefer Sandboden den Volkers Mopped gestoppt hat. Die 180° Kehre auf 1,5m breitem Weg war bemerkenswert, leider hat Volker sich dabei das Knie ordentlich verdreht und das Mopped geschmissen. Nach dem ersten Lagecheck hat das Knie nichts abbekommen, sondern wahrscheinlich nur die Bänder überdehnt. Und es schmerzt! Mist. Erstmal das Mopped wieder aufheben. Gepäck runter und mit vereinten Kräfen – ich natürlich nur 15kg und die andern 235kg (ein Koffer war noch dran) Volker – das Ding wieder senkrecht gestellt. Alles wieder aufrödeln und dann langsam gucken was Volker noch kann. Wir sind problemlos – mit Schmerzen – aus dem Naturschutzgebiet raus und haben den Rest des Tages aufwendige Wendemanöver vermieden. Ging soweit. Jetzt haben wir einen Campingplatz angefahren und gucken was morgen noch möglich ist. Wenn es erforderlich ist, bleiben wir hier ein paar Tage. Den Campingplatz hatten wir vorab schon so ausgesucht und wie es scheint, werden wir uns hier wohlfühlen.
Mittags waren wir einkaufen. Wir waren total abgebrannt, nur noch eine halbe Packung Nudeln, eine Banane und Butter. In Pärnu haben wir einen großen Supermarkt gefunden mit einem kompletten Sortiment von Kleidung über Töpfe und Autoartikel und natürlich Lebensmittel. Ich finde das immer sehr spannend, was man so in fremden Ländern einkaufen kann. In Estland hat mich am meisten die Tortentheke fasziniert. Ich habe leider versäumt ein Foto von den Torten zu machen, aber diese Theke hatte nichts anderes zu präsentieren außer: Torten.

Was mir an Estland auffällt sind die Ansammlung von Mehrfamilienhäusen auf einer kleinen Fläche mitten auf dem Land. Vieleicht 10 Häuser je 6-8 Wohnungen. Ansonsten nichts anders. Teilweise wird die Geschwindigkeit in diesem Bereich 2x täglich für eine Stunde auf 50km/h reduziert. Wer will hier wohnen? Auch Kirchen sind mitten auf dem Land. Ein paar Bauernhöfe im Umkreis, aber sonst … nichts. ???
Am späten Mittag haben wir dann Pause gemacht. Ausgiebig gegessen und den Plan mit dem Campingplatz reifen lassen. Wie sich nachher heraus stellte, waren wir direkt an der Lettländischen Grenze. Nach der Überfahrt der Grenze war der Unterschied zu Estland kaum spürbar. Es wird langsam hügeliger. Viele Störche gesehen, die Jungen werden bald flügge. Auf einer langen bewaldeten Gerade haben wir einen größeren Raubvogel aufgescheucht. Der ist vor uns weggeflogen ist aber nicht über die Baumgrenze gegangen und so ist er vor uns her geflogen und geflogen und geflogen. Und wir konnten ihn direkt vor uns sehen. Tolles Ereignis! Insgesamt, der ganze Tag war wunderschön. Tolles Wetter, super schöne Landschaft, wenn auch wenig fürs Motorradfahren herausvordernd. Wir sind heute 330km gefahren und davon bestimmt ein drittel Schotter. Das gleicht die fehlenden Kurven ein wenig aus.
7:00, kühl und bedeckt begrüßt uns der Morgen. Egal, wir verlassen heute Finnland. Um 11:30 wollen wir die Fähre erreichen, für 9:30 ist unsere Abfahrt vom Campingplatz geplant. Wir sind schon um 9:00 fertig, cruisen durch Helsinki. Schöne Innenstadt, das sieht zwingend nach einem Besuch ohne Motorrad aus (Doro!). Um kurz vor 10:00 erreichen wir die Fähre und können fast durchfahren. Wir haben die Fähre eine Stunde früher erreicht, auch nicht schlecht. Ein Riesenpott mit 8 Spuren nebeneinander. Die Motorräder werden gar nicht festgeschnallt, so stabil ist die Fähre trotz bewegter See. Die Fährausfahrt aus Helsinki ist sehr schön mit kleinen Inseln bestückt. Beim nächste Besuch in Helsinki also ggf. mit auf die Liste schreiben! Ich glaube ich habe Finnland ein wenig im falschen Licht gesehen.
Unser Fähre ist eigentlich gar keine. Es ist eher ein Kreuzfahrtschiff. Mit 11 Decks wird einem alles (?) geboten. Das hatte ich bisher noch nicht auf der Liste der Dinge die ich einmal im Leben gemacht haben wollte. Aber nun kann ich auch für die Kreuzfahrt einen Haken machen.
In Tallin angekommen begrüßt uns sonniges und windiges Wetter mit Schönwetterwolken. So ist’s recht! Den Weg aus Tallin herauszufinden war gar nicht so einfach. Wir haben uns mehrfach verfahren, weil wir die Anzahl und Größe der Kreuzungsbereiche verschätzt haben. Viel Polizei präsent, es wird viel gebaut und es sind viele große Fahrzeuge unterwegs. Letzten Endes haben wir den Weg herausgefunden. Die Landschaft ist flach und abwechslungsreich. Die Straßen führen meist geradeaus. Vor Kurven wird gewarnt! Wobei wir uns immer fragen, wo sie gewesen sind. Unterwegs fallen uns viele neue große wertige Häuse auf, die teils neben verfallen Häusern stehen. Sehr unterschiedlich. Die Bushaltestellen sind drei Wände im Winkel von 120° angeordnet, man findet immer ein windgeschützte Stelle. Besonders aufgefallen sind mir die Friedhöfe. Die sind total schön gestaltet inmitten eines lichtdurchfluteten Waldes. Meine Fotoversuche von heute sind alle gescheitert, ich versuche morgen etwas festzuhalten.
Unsere Straße hat Volker heute entlang der Ostsee geplant. Wir sind an Klippen entlanggefahren die fast 40m hoch sind. Und dann sind wir an einem Naturschutzgebiet hineingefahren, das das Zelten und Feuermachen direkt im Dünenbereich der Ostsee erlaubt. Da konnten wir nicht weiterfahren und haben unser Zelt aufgeschlagen. War nicht ganz einfach, weil echt viel Wind war. Aber wir haben alle Leinen und alle (fast) Heringe in den Boden geschlagen und hoffen jetzt, das es hält. Im nächsten Dorf noch Fleisch, Kartoffeln und Holz beschafft und jetzt geht es uns so richtig gut. Urlaub!
