88 – Schluchten und Wüste

465 km – 22.040 km

Muss noch etwas nachtragen von gestern. Da hatte ich Morgens meinen Helm angepackt und der war so richtig nass! Bei der Regenfahrt vom Vortag bin ich mit offenen Visir gefahren weil alles beschlug, Visier und Brille . Als ich den Morgens anpackte, bekam ich direkt Ausschlag, das nasse Ding nachher anziehen? Darum dann eine Trocknungsanlage ersonnen. Der Helm war nachher so mukkelig warm, das schreit eigentlich nach Wiederholung.

Jetzt aber zu dem heutigen Tag. Ebenfalls im Dunkeln aufgestanden, Zelt abbauen, zusammenpacken und zum Schluß frühstücken. Um halb Acht war ich auf der Strasse.

Bei der Abfahrt ist es dämmerig, die Sonne geht um kurz vor Acht auf. Wenn ich Glück habe, erlebe ich einen Sonnenaufgang in den Pyrenäen. Ich habe heute morgen nicht in den Wetterbericht geguckt. 12 Grad sind es heute morgen. da geht es auch ohne Regenhose – die wattierte – was sich im weiteren Verlauf als kolossale Fehlentscheidung herausstellt. Ich fahre durch die kleinen französischen Dörfer, ich mag sie sehr,  und schraube mich langsam den Col de la Pierre St. Martin hoch. Wie gestern, viele Kurven, aber ich will eigentlich nur gucken. Zudem ist wieder Laub und  Nässe an jeder Ecke, also langsam gehen lassen. Ich habe ja Zeit. Dann kommt die Sonne raus. JA, Glotz!!!

Nicht nur Laub und Nässe, heute auch ganz viele Pferde und Kühe die mir im Weg stehen. Die Kühe in der Abbildung haben keinen Platz gemacht. Irgendwann bin ich dann mitten durch – mulmig!

Dann eine fantastische Sicht auf ein Tal im Nebel, teilweise kann man durch den Nebel durchgucken, teilweise ist es einfach weiss. Jetzt schon Pause, ich bin doch erst eine Stunde unterwegs und es sind nur 14 Grad. Also weiter und kaum bin ich unten im Tal sind es nur noch 8 Grad. Ein paar Täler weiter nur noch 5 Grad. Ohhhh manno! Wird bestimmt gleich wärmer … was bis zehn Uhr gedauert hat. Aber ich war optimistisch und bin ohne die Wattierte gefahren. als ob ich zum ersten mal im Herbst Motorrad fahre.

Um zehn komme ich am Foz de Lumbier an. Ich gehe noch mit Fleece und Weste los, auf den Rückweg schleppe ich sie dann. Der Temperaturgott hat doch noch ein Einsehen mit mir.

„Eine der spektakulärsten Schluchten der Region Navarra in Nordspanien, die auf zwei ausgeschilderten Wegen leicht zu Fuß zu erwandern ist.
La Foz de Lumbier ist eine enge, 1300 Meter lange Schlucht, deren senkrecht aufragende Wände eine Höhe von bis zu 150 Metern erreichen. In ihren Spalten, Abbrüchen und Überhängen nisten große Raubvögel, vor allem Gänsegeier.“ Quelle

Ob das Gänsegeier waren? Es waren auf jeden Fall fünf ganz groooose Vögel.
Der Weg führt durch zwei unbeleuchtete Tunnel. Aber glücklicherweise hat mich der Parkplatzwächter auf den Umstand hingewiesen und ich habe meine Höhlenexpeditionsstirnlampe mitgenommen. Sonst hätte ich den Weg nie gefunden. Die Tunnel stammen von der urspünglich mal durch das Tal geführten Schmalspureisenbahn.

Nach der Besichtigung mache ich ein zweites Frühstück und stelle den  Blog von gestern fertig. Dann noch eben gucken wo es heute noch lang geht. Dabei stelle ich fest, das ich gestern die Canfranc-Estación verpasst hatte. Ich dachte noch es wäre ein unsauber gesetzter Wegpunkt in der Navigation gewesen und habe den Weg abgekürzt. Mist, hätte ich mir gerne angeguckt.

Mein Weg führt mich in den Naturpark Bardenas Reales:
Bardenas Reales [baɾˈðenaz reˈales] ist eine Halbwüste … , die eine Fläche von 415 km² umfasst.
Der größte Teil der Bardenas Reales ist seit 1999 als Naturpark geschützt. Am 7. November 2000 wurden die Bardenas Reales von der UNESCO zum Biosphärenreservat erklärt.
Charakteristisch für die Bardenas Reales ist die bizarre Landschaft, die zu einem großen Teil aus ockerfarbenem Lehm besteht. Dieser Lehm ist das Sediment eines urzeitlichen Meeres, welches durch die tektonische Hebung der Iberischen Platte nach und nach verlandete. Die Sedimentschichten der Bardenas Reales de Navarra sind jedoch nicht homogen aus Lehm, sondern bestehen teilweise auch aus härteren Sandstein- und Kalksteinschichten. Durch abfließendes Wasser aus den Pyrenäen erodierten die Sedimentschichten unterschiedlich und es bildeten sich die für die Bardenas typischen Barrancas (ausgetrocknete Flussbetten) und bizarre Bergformen heraus. Beispiele hierfür sind der bekannte Castil de Tierra oder der Barranco Grande.
Das Gebiet der Bardenas Reales ist auf vielen ausgewiesenen Wegen mit dem PKW befahrbar. Die Wege sind jedoch meist nur grob befestigte Schotterwege. Das Verlassen der Wege mit dem Fahrzeug ist untersagt. Auch das Abbrechen der trockenen Erde ist im Biosphärenreservat verboten.“ Quelle

Ich war echt gespannt auf die Wüste. Als ich in das Gebiet einfahren, bin ich erst enttäuscht. Aber seht selber:

Aber dann ist es echt spannend geworden. Fotoapparat gezückt und der Tag wäre gefüllt. Teilweise geht mein gewählter Weg direkt an dem Miltärübungsplatz vorbei, es sind ständig Düsenflugzeuge zu hören.

Und dann das Highlight, bei meinem Weg:

Großartig, oder? Ich bin Einen der vielen Wege gefahren. Hier kann man sich länger aufhalten.

Aber ich will ja noch mehr sehen. Das nächste Ziel ist der Pico de Europa Naturpark. Fast 400km entfernt. Und dazwischen ist das Rioja-Tal. Weinanbau soweit das Auge reicht. Mein Bild entspricht nicht der Aussage, ihr könnt es mir aber glauben.

Rastplatz an der Autobahn, welchen Campingplatz fahre ich an?

Ich fand das jetzt nicht sooo spannend und habe die Autobahn genutzt um Meter zu machen. Da hänge ich lieber am Strand … oder so. Schnell eingekauft und um 16 Uhr den ersten Campingplatz aufgesucht. Geschlossen, der nächste zugmauert also schon länger zu, geschlossen, geschlossen und der fünfte dann endlich offen und nimmt mich auf. Gegen halb sieben frisch geduscht und alles aufgebaut, jetzt noch köcheln. Zwiebeln, Knoblauch, Champions, das halbe fertigt gebratene Geflügel von gestern und Sahne mit ein paar Nudeln.  Halb neun bin ich dann fertig mit Spülen. Ich muss früher auf Zeltplatzsuche gehen. Morgen, versprochen!

87 – Tag der Pässe

– Gestern abend hat ich immer Ausfälle im Mobilnetz. Als ich bis halb zwöl immer noch nicht die Bilder hochgeladen hatte, habe ich es aufgegeben. Darum der Beitrag von gestern erst heute bei meinem zweiten Frühstück fertiggestellt.

339 km – 21.575 km

11 Grad waren es heute morgen und es sollten die nächsten Stunden nicht viel mehr werden. Gleich wieder die wattierte Regenhose angezogen, obwohl es gar nicht regnete. Es sind noch viele Wolken gerade in höheren Lagen unterwegs. Als ich mich den ersten Pass hochschraubte, musste ich da natürlich einmal durch und konnte hinterher von oben auf die Wolkendecke schauen.

Im Leerlauf rotz meine 11er heute total rum. Das Verhalten ist schon länger absehbar, aber so schlimm wie heute hat sie es noch nie getan. Im Schiebebetrieb knallt es alle hundert Meter mal weniger laut, mal angsteinflössend. Ich würde in dem Moment nicht als Radfahrer daneben stehen wollen, vermutlich stirbt man 1000 Tode. Ist mir echt peinlich und als ich nach dem ersten Pass im Tal ankomme, habe ich die Faxen dicke. Ich reduziere das Gemisch am CO-Poti. Jetzt geht sie im Leerlauf fast aus, läuft total unruhig, das tat sie vorher auch aber nicht so …. war klar das der Eingriff nicht ohne Folgen bleibt. Nach Gehör und Gefühl die Leerlaufdüsen rausdrehen und dann geht es so halbwegs. Sobald ich aus dem Leerlauf raus bin, ist alles bestens. Da zieht sie ohne zu Rucken und zu Zucken. Naja. Am nächsten Baumarkt hole ich mir 3m Schlauch und gucke mal ob das besser geht. Gegenüber vorher läuft sie jetzt auf jeden Fall viel besser und es ist nur noch ganz wenig Gekalle im Schiebebetrieb. Und sie geht nicht mehr so schnell aus. Das Kerzenbild ist ockerbraun. Lasse ich erstmal so, bis mir ein Baumarkt vor die Räder kommt.

Heute ist der Tag der Pässe. Ich glaube es sind sieben, wenn ich mich nicht verzählt habe. Angefangen mit dem Col de Peyresourde, direkt übergehend in den Col de Aspin und dann als Krönung der Col de Tourmalet. So dachte ich zumindestens.

Erst sehe ich im Gipfel vom Tourmalet nur Wolken, dann kommt teilweise die Sonne raus und ich bleibe stehen und warte. Und dann endlich freie Sicht auf die Spitze. Tolle Sicht. Unterwegs natürlich immer wieder Radfahrer ohne Ende.

Nach dem Tourmalet kam der Col de Soulor. Unglaublich die Sicht, die geschwungenen Hügel und das Spiel mit Licht und Schatten zusammen mit den Wolken. Toll! Ich habe an dem Naturschaustück Mittagspause gemacht und mich satt gesehen. Ich fand ihn schöner als den Tourmalet.

Der nächste Pass, der col d’Aubisque besticht mit seinem kilometerlangen Berghang, den man entlangfährt. Man ging es da steil runter, ich bin immer in der Mitte gefahren und wo es ging auch ganz links. War mir schlecht.

Es ging zurück nach Spanien über den Col du Pourtalet. Alles weitläufiger, die Straßen großzügiger ausgebaut. In Spanien dann über Schnellstraßen wieder zurück nach Frankreich. Der Col de Somport, hat nicht mehr die Qualitäten wie am morgen, aber immer noch wunderschön.

Heute noch einen klitzekleinen Campingplatz gefunden. Der Platzwart kam gegen 7 Uhr und hat 6 Euro kassiert, viel mehr ist es wirklich nicht wert. Aber ich habe einen Platz zum Zelten und Toiletten sind auch da.

Aufwendiger als gestern gekocht, Putengeschnetzeltes mit Zwieblen, Karotten und Möhren abgelöscht mit Rijocha von 2014 und dazu noch ein paar Fusillis. Macht schon mehr her, aber ich muss an der Gewürzfront nachbessern. Kräuter der Provence, Salz und  Pfeffer hat aber schon Geschmack gegeben. Dazu den besaten Rijocha und als Nachtisch Obst und spanische Chips.

Morgen geht es dann wieder zurück Col de la Pierre St. Martin und Port de Larrau. Dann ist Schluß mit den Pyrenäen. Weitere Ziele der Foz de Lumbier und der Parque Natural Bardenas Reales. Ich könnte ja jetzt schon etwas erzählen … aber es muss ja Spannung bleiben.

86 – Ende der Zweisamkeit

Tja, auf einmal ging es dann ganz schnell, kurze Diskussion bei nem Kaffee, ein Händedruck, alles Gute, und wir waren jeder alleine unterwegs. Das fühlt sich zum Einen gut an, weil man jetzt einfach macht was man denkt, und zum Anderen aber voll mies, denn ich fahr nicht gern allein.

Kleine Schotterstrassen ohne Hilfe wenn man doch mal umfällt? Hatte ich heute und mir war mulmig, ist aber gut gegangen. Ich bin in Spanien geblieben (da war auch das Wetter besser, kein Regen), denn ich will nach San Sebastian wo ich neue Bremsbeläge besorgen will. Vorne rechts innen ist der Belag quasi weg (Spätschaden vom Unfall in der Slowakei, meine Gabel ist ja verzogen) und das macht mich nervös, denn ohne Bremse vorne ist nicht gut fahren 🙂  .

Danach Atlantik, wo ich mir ganz in Ruhe überlegen werde, was ich weiter mache. Ich wünsch dir alles Gute, Horst 🙂

86 – Vive la france

385 km – 21.236 km

Der Tag beginnt früh um halb sieben. Es ist noch dunkel, aber wir sind Beide schon wach. Also anziehen, waschen, frühstücken. Es dämmert und wir packen die Sachen zusammen. Halb neun sind wir auf der Straße.

 

Auf den ersten Metern mache ich den 111.111 Kilometer. Nachdem ich schon den 100.000 nicht festgehalten habe.

Es geht heute zum Ordesa Naturpark, einmal kurz den von Holger empfohlenen Campingplatz Valle De Bujaruelo (Trola) angucken – wir sind um 11 Uhr da, das passt leider nicht – und dann über kleine Straße wieder zurück um in die französischen Pyrenäen zu kommen. Auf dem Weg zeigt mein Navi plötzlich einen niedrigen Akkustand an. Die Stromversorgung ist gegeben. Eben das Kabel ausgetauscht, nö. Kabel am Navi gewackelt, ja. Mit dem anderen Kabel der gleiche Fehler. Es ist nun auch der USB-Anschluss kaputt. Hmmm, wir laden ihn erstmal an Volkers Halterung. Eine Dauerlösung ist das natürlich nicht, wo sein Halterung auch kaputt ist.

Wir kommen in den Nationalpark Ordesa. Irre Berge und Felsformationen, sehr zu empfehlen! Seht selbst.

Unser Rundweg ist leider mit einem Durchgangsverbotsschild gekennzeichnet. Wir nehmen das mal ernst, wir sind ja nicht in Italien. Wir werden es noch einmal auf der anderen Seite des Rundweges probieren, vielleicht ist auf der Seite der Strasse keine Verbotsschild. Sonst wird es halt kein Rundkurs sondern eine Stichstrasse. Aber wir wollen ja den Campingplatz Valle De Bujaruelo sehen. Und es lohnt sich, auf jeden Fall die Straße nach dorthin. Leider ist nur ein Bild brauchbar.

Nach dem Abstecher zu dem Campingplatz nochmal probiert ob wir unsere Rundtour fahren können. Aber auch von dieser Seite kein ist kein Durchgang.

Es grummelt schon länger! Volker und ich sind nun seit 12 Wochen unterwegs, wir sind 24 Stunden am Tag zusammen. Alle Aktionen müssen in dieser Gruppe abgestimmt sein. Wo machen wir Pause, was kaufen wir ein, wo übernachten wir, was essen wir heute, trinken wir hier einen Kaffee! Wenn ich mal anhalte … warum wieso weshalb. Ich kann nicht mehr. Ich habe mich heute von Volker getrennt. Für ein paar Tage/Wochen? Keine Ahnung! Mir persönlich ging diese Abstimmung zum Schluss echt auf die Nerven. Und das hatte natürlich auch Auswirkungen auf mein Verhalten gegenüber Volker. Ich muss da raus, jetzt und heute. Mal gucken wir mir das bekommt. Sorry, Volker.

Die ersten Meter versuche ich das Navi wieder zum Laden zu bringen. Die Idee ist es, den Stromanschluss noch einmal zu kontaktieren, und danach nicht mehr aus der Ladeschale zu entnehmen. Um die Routen auf das Navi zu bekommen, will ich diese über die SD-Karte einspielen. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht bedacht hatte, ich kann die gefahrenen Strecken nur über den USB-Stecker auslesen. Und der ist defekt. Somit ist der Datenzugang nicht mehr möglich. Heute kann ich die Route noch ganz gut aus dem Kopf nach bilden. In Zukunft will ich das iPhone dafür nutzen. Noch ein Tool. 🙁

Es ist komisch alleine, aber ich glaube es war die richtige Entscheidung. Ich fahre nochmal ein Stück zurück über die N260 in Richtung Osten um den Pass Col de Peyresourde morgen fahren zu können. Die N260 ist so unterschiedlich. Mal Schnellstrasse, dann wieder total klein und sie schlängelt sich durch einen Canyon. Den sollte man besser nicht von Nord nach Süd fahren, dann kann man besser in den Fluss gucken.

Je weiter ich in den Norden komme, desto bedrohlicher wird das Wetter und desto kälter wird es. Ich versuche schon gegen 16:00 einen Campingplatz anzufahren, 5 Stück an der Zahl. Entweder sind sie mit Schranken verschlossen, alle Läden zu oder es kommt die Aussage, heute nicht mehr. Das wird schwierig, nicht nur heute. Ich muss über den Col del Portillo fahren und so komme ich ganz unverhofft und nicht geplant schon heute in Frankreich an. Es fängt zu Regnen an, die Sicht schränkt sich durch Nebel auf 100m ein. Ist eigentlich egal denn ich sehe mit der beschlagenen und nassen Brille sowieso nichts mehr. Das Mopped hat ständig bei der Bergabfahrt Fehlzündungen. Was ist das denn nun?
Dann finde ich endlich noch einen Campingplatz mit einen vortrefflichen Unterschlupf unter einer grossen Hütte. Ich kann meine Sachen zum Trocken auslegen und habe Tisch und Bank zum Essen und Blog schreiben. Die Isomatte werde ich heute Nacht in der Mitte ausrollen und dort schlafen.


Die Stromversorgung des Navi hat mit ein paar Einschränkungen funktioniert. Wenn es morgen auch noch geht, werde ich das Navi großzügig mit Isoband an der Halteschale verkleben. Auf das das Navi mit der Halterung verwachsen möge!

Ich muss mich ganz neu organisieren. Das Essen wird nicht mehr so aufwändig ausfallen und ich muss mich neben dem Blog schreiben darum selber kümmern. Heute gibt es Nudeln mit Pesto. Ganz einfach, ohne Parmesan. Ich muss gucken, wo ich den ganzen Essenskram unterbekomme. Das war zu zweit – und zu dritt noch viel mehr – viel einfacher.

Gute Nacht! Auch dir Volker!

85 – Sonntag

119 km – 20.851 km

Sonntag – Ruhetag. Nicht so ganz, aber wir haben uns heute nicht viel vorgenommen. Eine Rundtour von 100 km mit zwei optionalen Offroad-Abschnitten.  Von daher bin ich morgens erst mal liegen geblieben, Kaffee am Zelt/Schlafsack gekocht und erst um 9 raus. Da war es immer noch kalt, aber in der Sonne erträglich. Gegen 10 Uhr haben wir dann die Tour gestartet.

Die erste Offroad-Strecke sind wir von beiden Seiten angefahren. Aber wir haben uns nicht getraut in den Trail reinzufahren. Beides Mal eine Wiese wo man noch eine geschotterten Weg erkennen konnte. Mit dem Scorpion wollte ich das nicht probieren, mit dem Mitas hätte ich es mir auch nicht wirklich zugetraut. Der zweite Trail war dann der Weg zu dem Castillo de Fantova, der einer guten sizilianischen Strasse entsprach mit Schlaglöchern, Split in jeder Kurve und vielen Schotterabschnitten. Machte nichts, die Burg war schön anzusehen, man hatte eine gute Sicht und den Turm konnte man im Dunkeln besteigen. Sicherheitsvorkehrungen werden hier nachrangig behandelt. Okay, ist eine Deutsche Stärke.

Noch ein paar Fahrbilder um in Stimmung zu kommen für den nächsten Urlaub … :

Und ganz zum Schluss noch ein paar Bilder von unserem Campingplatz Isabena. Den Pool haben wir nicht ausprobiert. Abends gibt es ein Tagesmenü mit Vorspeise, Hauptgang und Nachspeise. Sehr lecker und preiswert. Unbedingt empfehlenswert!

84 – Pyrenäensamstag

240 km – 20.732 km

Es hat in der Nacht entgegen den Vorhersagen nicht weiter geregnet. Die Sachen waren trotzdem alle nass und nasse Sachen einpacken ist so ziemlich das letzte was Spass macht.
Es gibt heute nicht viel zu berichten. Es ist keine weitere Ausrüstung kaputt gegangen, es hat keine Unfälle oder Umfälle gegeben, es ist alles so abgelaufen wie es geplant war.
Wir sind durch die spanischen Pyrenäen gefahren, viel Landschaft, viel Berge, viel Sonne und viele, viele, viele Kurven … wir sind an dem Campingplatz Isabena angekommen und fühlen uns sehr wohl hier. Morgen werden wir ein wenig die Umgebung erkunden. Zwei Offroadstrecken wollen wir probieren und sonst nochmal Sonne – es sollen 27 Grad werden – und Sonntag genießen. Ihr dürft die Fahrbilder von heute genießen .…

83 – Dem Regen entkommen

163 km – 20.492 km

Von Doro hatten wir gestern Abend noch den Tip bekommen in Barcelona die Basilika Sagrada Família von Antonio Gaudi anzusehen. Da wir gestern so gut durch Barcelona durchgekommen sind, haben wir unsere Tour heute mit Kultur begonnen.
Die Anfahrt war dann nicht so leicht wie gestern abend um 9 Uhr, man muss morgens um 9Uhr doch mit Berufsverkehr rechnen. Aber es war noch immer harmlos. Vor allem haben wir so auch die Rollerfahrer Barcelonas kennen gelernt. Nicht schlecht, vergleichbar mit den Römischen. Was sie deutlich besser können .. sie fahren gnadenlos bei rot los. Hierbei warten sie bis die querenden Fußgänger rot bekommen und dann geben sie Gas. Alle! Wir konnten nicht beobachten, was bei noch auf der Straße befindlichen Fußgängern passiert. Ebenfalls war für uns neu, das man als Zweiradfahrer die Bus- und Taxispur nutzen darf. Darf man gar nicht??? Wir haben uns an dem Gedrängel vor der Ampel nicht beteiligt, das war uns zu eng.

An der Basilika ankommend waren wir überrascht ob der vielen Baukräne. Der bauliche Zustand der einzelnen Bereiche der Kirche ließ uns erst denken, das sie gerade renoviert wird. Aber dem ist gar nicht so. Der Grundstein der Kirche wurde 1882 gelegt und nach aktueller Planung soll sie 2026 fertig gestellt sein. Doro hatte uns die Besichtigung der Kirche nahegelegt. Die Kirchenfenster sollen bei Sonnenschein sehr schön aussehen. Wir waren willens, aber wir hätten erst um 13:15 einen Eintritt bekommen, vorher war alles vergeben. Na dann halt ein anderes Mal. Insgesamt empfand ich Barcelona als Millionenstadt als eine sehr angenehme und schöne Stadt, viel Grün und ein sehr angenehmes Flair. Also Doro, Dezember 2017?

Immer wieder sieht man in den Dörfern und Städten die Flagge Kataloniens und Werbung bei der kommenden Volksbefragung für die Abspaltung von Spanien zu stimmen. Gut das wir das Land jetzt durchfahren. Wer weiss was hier in knapp einer Woche los ist.

Unsere Reise ging von Barcelona durch den Naturpark Sant Llorenç del Munt. Leider waren zu diesem Zeitpunkt sehr viele Wolken unterwegs. Deswegen sind viele Fotos nicht so dolle geworden …. Aber sehr beeindruckend die Landschaft natürlich mit einer sehr schönen kurvenreichen Strecke verbunden.

Beim heutigen Einkauf haben wir einen Aldi aufgesucht. Normalerweise versuchen wir lokale Supermärkte aufzusuchen. Das hat heute mal nicht geklappt, was auch was Gutes hatte. Endlich mal wieder richtiges Brot. Das, muss ich zugeben, vermisse ich schon länger.

Unsere Strecke sollte heute bis unterhalb von Andorra gehen, ca. 280 km. Hätten wir problemlos bis halb vier geschafft. Aber wir hatten die Wetterprognosen mal wieder ernst genommen und waren erschreckt über das nahende Regengebiet mit reichlich Gewittern. Darum haben wir uns die letzten 80 Kilometer für morgen aufgespart und sind schon gegen 14Uhr auf einen Campingplatz gefahren. Regentarp aufgebaut und dann dem Regen beim Fallen zugeschaut.

Die anrollende Schlechtwetterfront …
…. und unserer Allzweckwaffe dagegen.

Es gibt natürlich wieder etwas zu den Ausrüstungsgegenständen zu berichten. Als wir gestern auf die Fähre warteten, hatte ich meinen Kofferdeckel offen stehen gehabt. Der wird mit zwei Kunststoffbändern in einer 90Grad Stellung offengehalten. Leider hatte ich den Deckel wegen der Fährenfahrt mit mehr Gewicht beladen als sonst und die Kunststoffbänder sind in die plastische Verformung gegangen. Jetzt kann ich den Koffer nicht mehr offen stehen lassen, was sehr unschön ist. Also heute die Zeit genutzt und ein wenig gebastelt. Knotenkunde für Anfänger. Mittels App -Knots 3D- und viel Probiererei zwei Seile geknoten, unten Palstek und oben Hondaknoten. Damit die Seile beim Schließen sich nicht in der Deckeldichtung verfangen noch ein kleines Gummiseil eingepflochten, das die beiden Seile beim Schließen zusammenlegt. Geht doch. Wenn wir jetzt noch eine Lösung für das Garmin Stromkabel hätten, so ein Garmin-Blutknoten oder einen doppelten Strompalstek … ?

Noch ein kleines Update aus Volkers Zauberküche: spanische Tortilla


 

82 – Der letzte Fährentag unserer Reise

33 km- 20.329 km

Morgens um viertel nach fünf war die Nacht zu Ende. Nein, meine Matratze hatte noch Luft. Das Problem habe ich offensichtlich doch beim ersten Flicken bereits behoben. Nein, es ging der Wecker. Sachen packen, zur Fähre fahren und alles im Dunkeln. Eine Stunde nach dem  Wecker klingeln waren wir startklar. Inklusive dem ersten Kaffee des Tages. Das war Rekord!

Den Tag auf der Fähre haben wir mit Lesen und in der Sonne liegen verbracht.

19:50 war Ankunft in Barcelona. Bis wir von der Fähre runter waren hat es noch weitere 40 Minuten gedauert. Das Entladen einer Fähre haben wir schon besser gesehen. Und dann noch 20km bis zum ersten uns bekannten Campingplatz in Richtung Norden und auch das wieder alles im Dunkeln. Die Tage werden merklich kürzer. Auch hier im Süden. Morgen geht es dann in die Pyrenäen. Die wollen wir von Ost nach West durchqueren.

81 – Ciao italia

282 km – 20.296 km

Gestern Abend hat Volker zum Glück noch einmal nach der Fährverbindung geguckt. Die Fähre fährt um 8 Uhr, nur leider morgens und nicht abends wie wir es absgepeichert hatten. Also ging die Tour heute direkt nach Porto Torres um die Fahrkarten kaufen zu können. In 7 Kilometer Entfernung gab es einen Campingplatz, morgen heißt es dann Abschied nehmen von Sardinien und von Italien.

Auf unserer heutigen Tour hat sich nichts neues in der Landschaft ergeben. Ich habe Korsika landschaftlich wesentlich spannender in Erinnerung als ich jetzt Sardinien erlebe. Aber das liegt auch an meiner Neigung zu den Bergen, die Sardinien nicht so zu bieten hat. Badestrände hat Sardinien auf jeden Fall die Besseren!
Auf unseren Weg liegt die Santissima Trinità di Saccargia. Eine Kirche aus dem 12 Jahrhundert, die zu einem alten Kloster gehört. Sie liegt mitten im Nichts. Keine Stadt, kein Dorf in der Nähe. Nur die Kirche und die Reste von dem Kloster. Der Legende nach kniete hier eine Kuh zum Gebet nieder. Hmmm …

Wir merken so langsam das es einen Jahreszeitenwechsel gibt. Es wird schwieriger Campingplätze zu finden. Gestern hatte das Restaurant das letzte mal auf. Heute hat unser Campingplatz seinen letzten Tag. Ich bin gespannt wie das in Spanien wird. Aber auch an den Temperaturen merkt man es. Gestern schon in den Bergen, aber auch heute sind wir kaum über 24 Grad gekommen. Boah ist das kalt, brrr. 😜
Ich habe heute die Sommerhandschuhe schon gegen die normalen getauscht und heute Abend sitzen wir hier am Campingplatz mit den langen lederhosen, statt wie sonst in kurzer Hose oder Badehose. Verdammt, der Sommer geht auch hier im Süden langsam vorbei.

Meine Isomatte … hat die Luft im wesentlichen über die Nacht behalten. So ganz gefüllt war sie heute morgen nicht mehr. Ich habe nochmals im Pool – wer weiss wann ich die Gelegenheit wieder habe – gesucht, aber kein Loch mehr gefunden. Hoffen wir das das gut geht.
Und Volkers Navi hat seit heute den gleichen Schaden am Stromkabel, wie meiner. Da muss die Feile die Tage wieder raus.

80 – Punta la Marmora

239 km – 20.014 km

Heute Nacht fing es gegen 2 Uhr an zu regnen. Das kam für uns völlig überraschend, es gab keine Hinweise in der Wettervorhersage und unser Umfeld sah dementsprechend aus. Nichts war für einen kommenden Regen vorbereitet. Volker hatte sich zudem für eine Hängematten-Nacht entschieden, natürlich ohne schützendes Tarp. Also mit den ersten Regentropfen den Notfall ausgerufen. Schnell Volkers Zelt aufgebaut – die ganzen Klamotten hätten wir nie mit einer Liegeposition für Volker in meinem Zelt untergebracht. Dann das Umfeld noch schnell vor dem Regen gerettet und kaum waren wir fertig …. hörte es auf zu regnen. War klar! Die Regenapp kündigte aktuell noch eine halbe Stunde Regen an. Das hatten wir in letzter Zeit schon öfters erlebt, das selbst kurzfristige Vorhersagen unzuverlässig waren.

Ich hatte heute nacht gegen zwölf bereits meine Matte aufgepumpt getrieben von …. Um zwei Uhr – zum Zeitpunkt des Regennotfalls – war die Luftwelt noch in Ordnung, gegen sechs wurde es schon wieder ungemütlich. Schon gestern bei der Anfahrt hatte ich den Pool des Campingplatzes wahrgenommen …. und ich war mit meiner Matte um sieben als erster da und fand auch endlich das Loch. Nun ist das Loch gestopft und die Matte wieder mit Luft gefüllt. Ich bin gespannt auf die kommende Nacht.

Heute morgen haben wir uns entschlossen unsere Zelte noch einen Tag/Nacht stehen zu lassen. Die nächste Tour kurz umgeplant als Rundkurs und ohne Gepäck auf den Weg gemacht.  Es waren wieder viele weiße Straßen bei der Tourplanung dabei und wir befürchteten viel Offroadanteile. Ziel unserer Tour war der höchste Berg Sardiniens, der Punta la Marmora. Er ist 1800m hoch und man kann bis auf 1500m Höhe den Berg anfahren. Auf dem Weg zum Berg wurde es immer kühler, wir starteten mit 27 Grad. Wir waren auch wegen der drohenden Offroadanteile ohne Gepäck unterwegs und hatten natürlich keine weitere Bekleidung eingepackt. Warum auch! Wir hatten die vergangenen Wochen immer Temperaturen von 25-40 Grad. Heute jedoch nicht, am Berg waren es noch 11 Grad. Wir haben sofort wieder kehrt gemacht und von einer Besteigung Abstand genommen. Noch zwei Stunden später – wir hatten im weiteren Verlauf max. 20 Grad – war uns kalt. Erst kurz vor unserem Campingplatz war mir wieder ausreichend warm. Der Offroadanteil unserer heutigen Tour war übrigens gleich null. Alles wunderbare Teerstraßen mit viel Grip und nur Kurven. Soweit herrlich, hätten wir mal unsere Koffer mitgenommen.
Die Routenplanung hier auf Sardinien ist echt schwierig. Am ersten Tag waren die weißen Straßen echt schwierig zu fahrende Offroadstrecken, heute ist die selbe Kategorie feinste kurvenreiche Teerstraßen. Ich habe versucht von einer GPX-Datei den Offroad-Anteil zu bestimmen, also wieviele Kilometer sind auf unbefestigten Wegen zurückzulegen. Mit Basecamp bekomme ich es nicht verläßlich hin. Ich habe es gerade noch mit komoot – einer guten Wanderapp die sowas grundsätzlich unterstützt –  versucht. Leider unterstützt das Tool beim importieren diese Funktion nicht. Jetzt werden wir die morgige Tour wieder mit weißen Straßen planen, aber eine Alternativstrecke mit größeren Straßen erstellen.

Thema alternde Ausrüstung, es gibt Neues zu berichten. Die Isomatte ist hoffentlich repariert. Neu hinzugekommen ist mein Ersatz- und Mobildatentelefon. Ich habe ein altes iPhone dabei, das zusätzliches Datenvolumen bereitstellen soll. Für den Blog fallen doch größere Datenvolumen.Mmengen an, die ich mit meinen bestehenden Vertrag nicht erfüllen kann. Na, jedenfalls macht dieses Gerät seit gestern beim Einschalten nur noch einen Neustart, dann noch einen Neustart, noch einen, noch …. Ein normaler Betrieb ist nicht mehr möglich. Auffällig ist, das man hinter das Display´gucken kann. Ich vermute, das der Akku dicke Backen bekommen hat und das Diplay aus den Rahmen gehoben hat. Also alle Neustart ausführen lassen bis das der Akku leer war. Ein weiterer irrreperaberler Schaden.

Ganz zum Schluß:
Hier auf Sardinien sind zu dem jetzigen Zeitpunkt sehr viele Deutsche unterwegs. Einerseits Mopedfahrer und andererseits sehr viele Familien mit nicht schulpflichtigen Kindern. Unsere Campingplätze hier auf Sardinien waren mehr oder weniger in deuscher Hand.